10 Tipps zur Stecklingsvermehrung bei Sträucher

Warum vermehre ich überhaupt Sträucher über die Stecklingsvermehrung wenn es die Sträucher doch meist recht günstig zu kaufen gibt? Da gibt es für mich mehrere Gründe dafür.

Dieses Jahr hab ich bei einem befreundeten Gartenbesitzer einen Strauch entdeckt den ich nicht kannte und hab im gleich mal ein paar Zweiglein zur Vermehrung abgebettelt. Oder in meinem Garten wächst ein Sommerflieder mit einer wunderschönen Blüte von dem ich den Sortennamen nicht kenne. MIt  Stecklingsvermehrung kann ich diesen am einfachsten vermehren.

Und außerdem macht es Spaß wenn die Stecklingsvermehrung klappt und man dem Wachstum von Anfang an beobachten kann.

Berberitze – Berberis thunbergii Golden Ring

Das sind die Stecklinge die ich mir vor kurzem erbettelt habe. Auf den ersten Blick nichts besonderes, eine rotlaubige Berberitze. Aber seht ihr den schönen gelbgrünlichen Rand an den Blättern? Es ist die ‚Blutberberitze Golden Ring‘ die relativ selten angeboten wird und die man deshalb auch nicht so häufig sieht wie die „normale“ Blutberberitze.

Ich muß gestehen, daß ich überhaupt Berberitzen sehr gerne mag und diese mit dem Rand gefällt mir ganz besonders gut. Die Blätter sollen beim Austrieb blutrot sein und der „goldene Ring“ entwickelt sich erst nach ein paar Wochen später.

Tipps zur Stecklingsvermehrung

Tipp 1: Welchen Teil der Pflanze nehmen?

Die Triebe sollten bereits verholzt sein, d.h. keine ganz frisch gewachsenen noch grüne oberen Zweigabschnitte die in diesem Jahr gewachsen sind. Aber auch keine älteren Zweigabschnitte die schon zu sehr verholzt sind. Am besten sollten Stecklinge von einjährigen Zweigabschnitten geschnitten werden.

Stecklingsschnitt

Tipp 2: Wie funktioniert der Stecklingsschnitt?

Von diesen Zweigen schneide ich ca. 10  – 15 cm lange Stecklinge. Am unteren Ende mit einem etwas schiefen Anschnitt knapp unterhalb einer Knospe. Das heißt, wo der verdickte Teil ist, aus dem die Blätter wachsen.

Wenn ihr sie geschnitten habt unbedingt aufpassen, daß ihr nicht oben und unten der Zweige verwechselt. Deshalb lege ich sie mir immer so geordnet hin, die ursprünglich untere Seite des Zweiges muß in die Erde gesteckt werden, nur diese Seite kann dann auch Wurzeln entwickeln.

Ca. 10 cm lang geschnittene Stecklinge

Von dem Teil, der in die Erde gesteckt wird unbedingt die Blätter entfernen, denn die würden in der Erde nur faulen.

Und dann ab in die Erde. Meistens stecke ich 3 Stecklinge in einen Topf und drücke die Erde rundum an.

Tipp 3: Welche Erde?

Welche Erde genommen werden soll, dafür gibt es verschiedenste Tipps. Ich hab immer gute Erfolge mit ungedüngter Blumenerde, dieses Jahr habe ich das erste mal Kokossubstrat verwendet. Das wichtigste ist, daß sie locker und feinkrümelig sein soll und die Feuchtigkeit gut halten kann, also keine schwere klumpige Erde aus dem Garten nehmen. Dann können sich die feinen Wurzeln bestens entwickeln.

Tipp 4: Anwachshilfen

Wer mag, kann noch Anwachshilfen (Hormonpulver) oder was sonst empfohlen wird wie z.B. Kohle verwenden. Diese Hilfsmittel sollen die Wurzelbildung beschleunigen oder die Keimbelastung reduzieren. Ich hab sie noch nie verwendet und hab auch ohne sie gute Erfolge.

Tipp 5: Wie wird gegossen?

Wenn die Stecklinge in der Erde sind, gut angießen und ich stelle sie immer an einem ganztägig schattigen Platz. Damit sie keinem Hitzestress ausgesetzt sind und in Ruhe mal die ersten feinen Wurzeln bilden können.

Während der ersten Zeit bevor sich kräftigere Wurzeln bilden, darf das Substrat nie austrocknen. Das Substrat soll feucht aber nie nass sein.

Für mich ist immer eine gutes Anzeichen, daß der Wurzelwachstum läuft, wenn sich das erste feine Würzelchen unten bei einem Abzugsloch des Topfes zeigt. Das wird aber schon ein paar Wochen dauern bis es soweit ist. Also nicht zu schnell aufgeben!

Tipp 6: Gewächshausklima – Gespannte Luft

Mit einem Gefrierbeutel kann noch zusätzlich ein Gewächshaus „Marke Eigenbau“ erstellt werden. Damit erreicht man ein Gewächshausklima oder es wird von „gespannter Luft“ gesprochen, mit dem man dem Steckling die Bewurzelung erleichtert. Hier kann auch mit allem möglichen experimentiert werden, statt Folienbeutel kann eine am Boden aufgeschnittenen PET-Flasche darüber gestülpt werden usw.

Tipp 7: Was kann über Stecklingsschnitt vermehrt werden?

Ich hab mit dieser Methode der Stecklingsvermehrung beste Erfahrungen gemacht. Es gibt Gehölze da funktioniert die Stecklingsvermehrung leichter und bei anderen ist es etwas schwieriger. Bei Sträucher und Gehölze die sehr stark bei Schnitt wieder austreiben, bei denen gelingt auch die Stecklingsvermehrung leichter z.B. bei Weiden, Forsythie, Haselnuss, Sommerflieder. Dagegen bei Gehölzen die nach einem Schnitt nicht sofort mit starken Austrieb reagieren wie z.B. Magnolie oder Zaubernuss ist es etwas schwieriger. Aber letztendlich kann diese Form der Vermehrung mit allem ausprobiert werden.

Tipp 8: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Für Sträucher und Gehölze ist Sommer die optimale Zeit zur Stecklingsvermehrung, wenn sie in vollem Wachstum sind.

Tipp 9: Überwinterung der jungen Sträucher

Wenn bis zum Herbst die Stecklinge gut angewachsen sind und sich schon die ersten neuen Blätter zeigen, dann war die Vermehrung erfolgreich. Wenn sie aber noch so kleine zarte Gewächse sind, pflanze ich sie meist noch nicht aus, sondern lasse sie im Topf und versenke sie damit in die Erde irgendwo im Garten wo Platz ist. Perfekt ist ein kleiner Fleck im Gemüsegarten für solche Pflänzchen. Hier sind sie optimal mit Feuchtigkeit versorgt und vor strengem Frost geschützt. Und ich brauch mich bis zum Frühjahr nicht mehr um sie zu kümmern.

Tipp 10: Auspflanzung

Zu klein pflanze ich die Jungpflanze nicht aus, weil mir die Gefahr zu groß ist, daß sie noch nicht kräftig genug ist. Deshalb topfe ich sie im Frühjahr dann in einen größeren Topf und behüte sie noch ein wenig. Zum Ende des Sommers ist sie meist groß genug, daß ich sie Auspflanzen kann und hat dann noch bis zum Herbst genügend Zeit sich gut einzuwurzeln.

Zweijähriger Maiblumenstrauch aus Stecklingen gezogen

 

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5 Gedanken zu “10 Tipps zur Stecklingsvermehrung bei Sträucher

  1. Sehr schöne Sorte diese Berberitze, kannte ich noch gar nicht. Die muss ich mir unbedingt merken. Ich nehme auch viele Stecklinge, allerdings nicht von den größeren Sträuchern, ich habe einfach keinen Platz mehr 😉 LG Floristin

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  2. …das ist wirklich ein schöner Strauch, den ich so auch noch nie sah…ich stelle so Zweige auch einfach oft in kleine braune Glasflaschen und sie wurzeln dann recht schnell…wenn ein paar Wurzeln da sind, pflanze ich sie dann in Erde…ob das aber mit allen klappt, weiß ich auch nicht, einen Versuch ist es immer wert…

    liebe Grüße Birgitt

    Gefällt 1 Person

    1. Die Bewurzelung im Wasser ist eine tolle Methode. Einfach und effizient. Ich hab ja schon bei den Versuchen Spaß daran und wenn es nicht klappt, ist es auch nicht schlimm. Wir sind ja keine Profi die davon leben …
      Liebe Grüße Arlene

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