Von Monokultur zu einem Naturparadies

Heute zeige ich einmal das Areal hinter dem Haus. Macht euch auf etwas gefasst. Es wird wild!

Wildnis pur

Ursprünglich wuchs hier ein kleiner Fichtenwald. Vor drei Jahren schlugen wir das ganze Holz, damit dieser Fleck zu einem lichten Laubwald umgebaut werden kann.

Über ein paar Stufen geht es hinein in ein neu entstandenes Naturparadies.

Wir lassen der Natur freien Lauf, und jetzt im dritten Jahr wächst schon der neue Wald heran. Laubgehölz das bereits im dunklen Fichtenwald geschlummert hat, vor allem Ahorn, Walnüsse und Haselnüsse die Eichkätzchen versteckt und nicht mehr gefunden haben, Wildkirsche und einzelne Buchen. Und sogenanntes Ruderalgehölz wie Schwarzer Holunder, Traubenholunder aber auch Weißdorn, Pfaffenhütchen und Wildrosen, wilde Himbeeren, Brombeeren und vieles mehr.

Dieses dornige Gestrüpp ist jetzt ein natürliches Hindernis für die Rehe die sonst jedes aufwachsende Bäumchen sonst anknabbern und sich daran schaben würden.

Von Rehen geschädigter Jungahorn

So sieht ein vom Reh geschädigter Ahorn aus, angeknabbert und mit dem Geweih am Stamm gefegt. Dieses Bäumchen ist deshalb abgestorben. Von unten treibt es zwar wieder aus aber so können sich keine schönen Bäume entwickeln.

Wenn die Bäume hoch genug sind und Schatten werfen, verabschiedet sich von ganz allein wieder das ganze Gestrüpp das sich jetzt gebildet hat. Das dauert zwar über 20 Jahre aber über viele Jahre ist es unter anderem ein optimaler Nektarspender für Honig- und Wildbienen. Daß es so funktioniert, konnte ich auf unserem Grundstück bereits beobachten. Für mich ist es der einfachste Weg einen Wald hochwachsen zu lassen ohne einen hohen Schutzzaun wegen der Rehe anbringen zu müssen.

Selbstverständlich müßen wir auch immer wieder durch schauen und pflegend eingreifen damit sich ein schöner und lichter Laubwald entwickeln kann.

Es ist unglaublich, wie es sich innerhalb drei Jahren von einer dunklen, Fichtenmonokultur zu einem botanischen Highlight entwickelt hat. Vieles wartete im Boden nur auf Licht, daß es endlich wieder wachsen kann. Was mich aber ganz besonders freut, es wurde zu einem Paradies und Lebensraum für Insekten. Überall schwirrt, summt und brummt es.

Rosenkäfer auf Giersch

Insektensterben

In den Medien kann es zur Zeit überall verfolgt werden, daß die Insektenwelt durch die vorhandene Monokultur und den Einsatz von Pflanzenschutzmittel sehr stark dezimiert wird. Auch fehlende Randstreifen an Feldern und Wald, Klimawandel das häufige Mähen der Wiesen sind Faktoren die dafür verantwortlich sind. Die Zahlen sind erschreckend, in den letzten 20 Jahren sollen bis zu 80% weniger Insekten gezählt werden. Mit schwerwiegenden Folgen für Vögel und auch Amphibien die Insekten als Nahrung benötigen.

Mich hat eine Frage in einem Radiobericht aufmerksam gemacht, ob einem auffällt, daß an der Autoscheibe kaum mehr Insekten kleben? Stimmt! mir war das gar nicht bewußt aber früher mußte man ständig im Sommer die Scheiben reinigen. Über dieses leidige Insektensterben an den Autoscheiben wurde auch früher geredet aber mittlerweile haben es die Insekten immer schwerer auch noch ihren passenden Lebensraum zu finden.

In der von Landwirten viel zu häufig gemähten Wiese, findet man kaum Insekten aber sobald ich in den Randstreifen gehe in dem unter anderem Brennnesseln wachsen beginnt bereits wieder das Insektenleben.

Raupen des Tagpfauenauge

Die Raupen des Tagpfauenauge brauchen die Brennnessel aber es ist auch Futterpflanze von Distelfalter und Admiral.

Zum Schutz weben sich die Raupen ein Gespinst aus Seide. Hier sieht man noch rechts die Hüllchen aus denen die Raupen schlüpften.

Waldziest – Stachys sylvatica

Überall blühen die Wildpflanzen und es ist eine Freude die Natur zu beobachten.

Junikäfer

Mehr Mut zur Wildnis

Für einen der alles sauber und geordnet mag ist dieses kleine Fleckchen Natur ein Chaos. Für mich ist es Leben und ein Rückzugsort für die gebeutelte Pflanzen- und Tierwelt.

Und jeder kann auch auf kleinstem Raum etwas dafür tun. Sogar auf dem Balkon können Pflanzen für unsere Insekten wachsen. Und vielleicht im Garten ein paar Brennnesseln für die Schmetterlinge stehen lassen. Oder den Garten- und Strauchschnitt im Garten belassen, zumindest einen Teil und den Tieren damit Rückzugsmöglichkeiten schaffen.

Auch ich mag die gestalteten und gepflegten Gartenbereiche. Aber gleichzeitig rufe ich zu mehr Mut für „schlampige“ Bereiche im Garten auf und wenn er noch so klein ist.

Das Stück Land das wir bearbeiten, haben wir uns nur von der Natur geborgt!

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19 Gedanken zu “Von Monokultur zu einem Naturparadies

  1. Ich gestehe, dass ich es im Garten eher geordnet mag! Allerdings gibt es bei mir viele Pflanzen, auf denen sich Insekten tummeln!
    Wild ist aber auch schön und ich bin gerne in Wald und Flur, um das zu genießen!

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  2. Sehr schöner Beitrag, du sprichst mir aus dem Herzen !! Wie wundervoll, daß du so eine große Fläche zur Verfügung hast, wo du schalten und walten kannst und großzügige Räume der Natur überlassen kannst. Davon träume ich ! Klar, kann ich was mit meinem Balkon bewirken, was ich hoffentlich auch tue, aber noch mehr wäre noch schöner 🙂 Toll, die Insektenvielfalt bei dir. Und es braucht doch nur so wenig dafür. Einfach nicht dauernd mähen und keine Pestizide sprühen. Wie verrückt ist das heute !! Weiterhin viel Erfolg mit deinem naturnahen Garten und Wald. Toll deine Bilder. Und dieser schmucke Rosenkäfer ist der Hit 🙂 liebe Grüße, Almuth

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    1. Hallo Almuth,
      die Rosenkäfer mag ich auch ganz besonders gerne. Im Moment belagern sie vor allem die WIldrosen.
      Wenn man auf dem Land wohnt hat man in punkto Natur mehr Möglichkeiten und es ist mir auch ein großes Anliegen aus unserem Grundstück inmitten der landwirtschaftlichen „Industrie“ eine Rückzugsmöglichkeit für die Natur zu bieten.
      Aber was du auf deinem Balkon zauberst ist großartig und ich liebe deine tollen Bilder davon!
      Liebe Grüße Arlene

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      1. So tut jede, was sie kann 🙂 Um deine Möglichkeiten beneide ich dich einfach ! Und was du in deinem Garten schaffst, ist keine Selbstverständlichkeit. Vermutlich eine Oase in deiner Umgebung. Jedenfalls fehlt leider vielen Menschen das Verständnis oder was auch immer, ihren Garten entsprechend zu gestalten. Umso schöner, wenn es Menschen wie dich gibt 🙂 Und deine Bilder von deinem fantastischen Garten sind zauberhaft ! In diesem Sinne, weiterhin frohes Schaffen mit der Natur 🙂 Liebe Grüße, Almuth
        PS die Rosenkäfer müssen beeindruckend sein. Und dann diese schicke Farbe, schwelg !

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  3. …in unserem Garten wird es auch immer wilder, liebe Arlene,
    was mich und die Insekten sehr freut und unseren Nachbarn sehr skeptisch über den Zaun gucken lässt…so ein Waldstück ist natürlich etwas besonderes…erstaunlich, was da alles zum Vorschein kommt,

    liebe Grüße Birgitt
    PS ich habe deine Rankhilfe nachgebaut und die hält wirklich prima, morgen habe ich ein Bild im Post, danke für die Idee

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    1. Hallo Birgitt,
      diese Blicke übersehe ich einfach … 😉
      Ja es ist tatsächlich überraschend wie in so kurzer Zeit eine solche Vielfalt entstand.
      Das freut mich, daß du die Rankhilfe nach gebaut hast. Bin schon auf deinen Post gespannt.
      Liebe Grüße Arlene

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  4. Wir haben auf unseren Wiesen auch Wildwuchs „etabliert“, und man wird wirklich belohnt. Man glaubt gar nicht was sich da über die Jahre plötzlich alles tummelt. Sogar Sachen, die wir vorher vergeblich versucht haben einzubürgern, aber immer gescheitert sind. Nature favours the brave! 😀

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    1. Ja das ist schon echt überraschend wie schnell und in der großen Vielfalt sich die Natur entwickelte.
      Danke, daß du einen Kommentar hinterlassen hast, so konnte ich eure Blogs entdecken!
      Liebe Grüße Arlene

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  5. Auch in meinem Garten darf so manches Unkraut wachsen. Ich fotografierte z. B. vor einigen schön bühende Tulpen und stellte beim Betrachten auf dem Laptop schmunzeld fest, dass ein herrlicher gelber Löenzahn gleich neben den roten Tulpen stand.

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  6. Schön, ich finde es immer wichtig, dass auch die Natur in unseren Gärten oder bei Dir im erweiterten Garten – Platz hat. – Muss unbedingt meine Brennnesseln besichtigen gehen, ob die auch so voller Raupen sind ;-).
    Grüess Pascale

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