Gedanken zu „Düngen im Hausgarten“

Düngen im Hausgarten ist ein Thema bei dem man oft mal so keine Lust hat sich damit auseinander zu setzen. Weil es doch ein recht theoretisches und trockenes Thema ist. Dabei ist es wirklich wert das Ganze mal näher zu betrachten.

Bekannt ist, daß unsere Gemüsegärten zumeist überdüngt sind, vor allem mit Phosphat und Kali. Häufig wird stark stickstoffbetont gedüngt mit dem Effekt ein nitratbelastetes Gemüse zu ernten. Gerade wenn man aber gesundes Gemüse selbst ziehen möchte ist es unabdingbar das Thema Düngung genauer anzusehen.

Ob man organisch (Kompost, Horndünger, Mist,…) oder mineralisch (Blaukorn, Grünkorn Universaldünger,…) düngt oder mit beiden, ist zuerst mal eine individuelle Entscheidung. Ich hab mich vor vielen Jahren für alleinige organische Düngung entschieden, denn mit Kompost kann ich den natürlichen Kreislauf der Düngung nutzen. Und mich stört bei  mineralischen Düngern, daß unter anderem bei der Herstellung oft eine hohe Energiebelastung entsteht und die ökologische Bilanz im gesamten für meine Zwecke nicht stimmig ist.

Unterschied mineralischer oder organischer Dünger:

Mineralisch: Mineralische Dünger sind auf Basis von chemischen Stoffen hergestellt worden. Und haben eine schnellere Wirkstofffreisetzung und Wirkgeschwindigkeit als organische Dünger.

Organisch: Im organischen Dünger liegen die Nährstoffe nicht in blanker Form vor sondern müssen erst freigesetzt werden und haben so einen langsamere Wirkung.

Jetzt könnte man meinen, alles ok, denn bei der Verwendung mit Kompost kann man nichts falsch machen. Dem ist aber nicht so. Denn Kompost muß als Mehrnährstoffdünger betrachtet werden. Kompost enthält sehr viel Phosphat und viel Kali. Und wenn man wie ich sehr schweren lehmigen Boden hat, würde man am liebsten schubkarrenweise den Kompost ausbringen, in der Hoffnung den Boden zu verbessern. Und genau das sollte man nicht tun.

Die staatliche Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan empfiehlt lediglich 3 Liter Kompost pro Quadratmeter im Jahr um nicht zu überdüngen. Ich hab mal 3 Liter Kompost abgemessen und auf ein Quadratmeterstück ausgebracht. Das ist „Nichts“, gerade mal ein paar Brösel auf dem Boden. Aber nur so wird einem bewußt, wie viel Kompost ausgebracht werden darf um keine Überdüngung zu verursachen. Ich hab früher also auch viel zu viel Kompost ausgebracht und trotz meiner organischen Düngung den Boden überdüngt.

Damit man überhaupt mal die Nährstoffausgangssituation im Garten kennt ist eine Bodenuntersuchung im Labor unumgänglich. Und laßt euch nicht davon abschrecken. Das ist bei weiten nicht so kompliziert wie es sich im ersten Moment anhört. Die Kosten belaufen sich je nach Umfang der Untersuchungen und Labor zwischen 10-30 Euro. Neben den Analysewerten bekommt man von den Labors auch eine Düngeanleitung dazu.

Einfach so nach Gefühl düngen oder weil man das schon immer so gemacht hat ist kein guter Ratgeber. Denn wenn ich nicht weiß was im Boden drin ist kann ich auch nicht wissen was ich düngen soll.

Wer sich mehr über eine Bodenanalyse informieren mag:

Formular Bodenuntersuchung Hobbygarten  Dies soll keine Werbung sein (es gibt viele verschiedene Labors), sondern einen Eindruck davon geben wie so eine Bodenuntersuchung abläuft.

Zumeist wird mit Mehrnährstoffdünger gedüngt. Das heißt die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphat, Kali sind in einem Dünger vermischt z.B. Blaukorn ist das mit am bekanntesten und wird häufig auch NPK-Dünger (N für Stickstoff, P für Phospat, K für Kalium) genannt. Auf den Düngerbeuteln aufgedruckt steht dann 12/12/17, das bedeutet 12% Stickstoff, 12% Phosphat, 17% Kalium. Grünkorn Universaldünger hat eine 10/5/7 – Zusammensetzung. Ab jetzt also immer auf das Kleingedruckte achten!

Aber auch Kompost ist ein Mehrnährstoffdünger. Um die genaue Zusammensetzung zu wissen müsste der Kompost analysiert werden aber die wichtigsten Nährstoffe sind enthalten, nur Stickstoff ist zum weit überwiegenden Teil gebunden und ist nur zu 1 – 5% jährlich pflanzenverfügbar.

Gesiebte Komposterde

Wenn ich z.B. nach einer Bodenanalyse weiß, daß ich nur mit Stickstoff düngen soll weil alles andere im Boden vorhanden ist dann muß unbedingt mit einem Einzelnährstoffdünger gedüngt werden. Und da mag ich am liebsten den Horndünger als Stickstofflieferanten. Als Stickstoffallrounddünger nehme ich am liebsten Horndünger im Vermahlungsgrad wie Haushaltszucker.

Was ist der Unterschied zwischen mineralischen und organischen Stickstoff?

Mineralischer Stickstoff ist sofort für die Pflanzen verfügbar, was sich zuerst mal ganz gut anhört. Nur das Problem ist, was die Pflanze nicht sofort aufnehmen kann wird dann ausgewaschen und gelangt in unser Grundwasser. Mit allen Problemen von Nitrat das dann in Nitrit umgewandelt wird und gesundheitsschädlich ist.

Organischer Stickstoff wie z.B. Horndünger hat keinen frei verfügbaren Stickstoff. Die düngende Wirkung wird erst allmählich freigesetzt und ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie Bodentemperatur, -feuchtigkeit, Durchlüftung usw. Außerdem ist der Vermahlungsgrad des Horns ausschlaggebend wie schnell die Wirkung eintritt. Darum ist absolut wichtig zwischen Hornspäne und Hornmehl zu unterscheiden. Am Anfang der Kultur sollte mit Hornmehl gearbeitet werden um der Pflanze schnell Stickstoff bereit zu halten und Hornspäne wirkt eher wie ein Langzeitdünger.

 

Letztendlich ist es wichtig nur so viel Stickstoffdünger auszubringen was die Pflanze im Moment auch aufnehmen kann. Was zu viel gedüngt wird kann in das Grundwasser ausgewaschen werden mit der ganzen Problematik der Nitratbelastung unseres wichtigsten Lebensmittels. Deshalb ist auch der richtige Zeitpunkt der Düngung ein immens wichtiger Punkt.

Das Thema Düngen ist ein so weites Feld, ich gebe zu, am Anfang etwas trocken und theoretisch. Und man merkt, daß viele Düngethemen ineinandergreifen, das eine ist von dem anderen abhängig usw.. Aber je mehr man sich darüber Gedanken macht, merkt daß es immer spannender wird desto mehr man sich mit dieser Materie auseinander setzt.

Und vor allem das selbst geerntete mit viel Aufwand gezogene gesunde Gemüse lohnt es!

Organische Düngung im eigenen Garten

Düngung im Gemüsegarten – Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau

DiG – Düngen im Garten – Ein Programm für den engagierten Hausgärtner

 

 

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2 Gedanken zu “Gedanken zu „Düngen im Hausgarten“

  1. Ja, das liebe Düngen. Besonders paradox finde ich, wenn Rasen und Blumenbeete im Sommer regelmäßig gedüngt wird, aber im Herbst kehrt und saugt und pustet man das ganze Laub weg – der beste Dünger überhaupt! Es ernährt die Regenwürmer, die den Boden lockern und durchlüften. Und auch die ganze Bodenfauna hängt am und lebt vom Laub… und es wird kein zusätzlicher Dünger eingebracht, der, wie du schon gesagt hast, mit hohem Energieaufwand produziert werden muss. Das Laub im Hersbt gehört zum Stoffkreislauf dazu.
    Aber wenn das die Gartencenter den Gartenbesitzern erzählen würden, würden sie ja keinen Dünger mehr verkaufen 😉

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