Castella di Donnafugata – Eine Gartenanlage in Sizilien

Um dem kalten Novemberwetter etwas zu entfliehen sind wir letzte Woche in Sizilien gewesen. Die Temperaturen lagen bei 20° Celsius. Der November ist ein regenreicher Monat auf Sizilien und teilweise gab es heftige Wolkenbrüche. Aber wir konnten jeden Tag auf der Terasse frühstücken und was will man mehr?

Ragusa Ibla

Vor vielen Jahren waren wir bereits auf Sizilien, damals aber nur auf Durchreise. Wir waren mit dem Auto auf dem Weg nach Kamerun in Westafrika. Von Trapani im Westen der Insel ging die Autofähre nach Tunis. Schon damals war ich von Sizilien beeindruckt und wollte unbedingt diese Insel nochmals besuchen. Und letzte Woche war es soweit.

Wir sind in Catania gelandet und von dort mit einem Mietauto Richtung Südosten in unser Quartier direkt am Meer. Von dort aus haben wir das Landesinnere erkundet. Und auf meinem Wunschzettel stand Donnafugata. Ich wußte nicht wirklich viel darüber, nur dass es ein Castell oder Schloß war, je nach dem wie man es nennen mag. Gelesen habe ich darüber weil es Filmkulisse der Krimireihe „Commissario Montalbano“ war. Wer ihn nicht kennt, den etwas brummeligen Commisario der auf Sizilien ermittelt, es ist in Buchform sowie als Spielfilm recht empfehlenswert.

Mit diesem wenigen Wissen über dieses Castell, auch weil man kaum dazu etwas findet, sind wir los.

Während der Touristensaison ist anscheinend recht viel los denn es war ein riesiger Parkplatz vorhanden wo dann auch 2 Euro Parkgebühren verlangt werden. Aber im November war der Platz leer und keiner kassierte mehr die 2 Euro.

Die 100 Meter vom Parkplatz auf dem Weg zum Castell kam man an restaurierten und halb verfallenen Nebengebäuden vorbei in denen unterschiedlichstes untergebracht war, von Kuhställen angefangen bis zu Ristorantes.

Und dann fiel der Blick auf das Castello di Donnafugata.

An der Kasse wurden wir gefragt ob wir auch den Garten sehen wollen, denn das kostet 4 Euro mehr. Ein Garten? Ja selbstverständlich, so unverhofft hier in Sizilien einen Garten besichtigen zu können, das ist ja toll.

Dieses Castell in der jetzigen Form wurde im gotisch-venezianischen Stil im 19. Jahrhundert auf alten Bestand gebaut und hat einen quadratischen Grundriss mit Innenhof. Und von diesem Innenhof aus ging es über dieses Tor in den Garten.

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Von hier aus sieht man bereits, dass das nicht ein rausgeputzter Garten im klassischen Sinne sein kann. Da war ich gleich mal freudig überrascht, denn ich finde Gartenanlagen die nicht so perfekt sind wesentlich spannender. Irgendwie ist es realistischer.

Nach den ersten Metern im Garten war mir sofort bewußt, dass hier mit der Schlichtheit die einen empfängt uns etwas ganz besonderes erwartet.

So sehr mir auch perfekt gepflegte Hausgärten als auch Parkanlagen gefallen, fühl ich mich in solch etwas „wilden“ Gärten wohler.

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In dieser Gegend werden im Sommer bis zu 40° Grad erreicht und vieles ist dann verdörrt. Jetzt nach den ersten Regenfällen im Herbst wird Sizilien wieder grün. Es explodiert regelrecht, auf der ganzen Insel sprießt nun unter anderem der Nickende Sauerklee. Der auch in dieser Anlage überall zu sehen ist.

Nickender Sauerklee (Oxalis pes-caprae)

Diese gelbblühende Pflanze ist zur Blütezeit auf Sizilien ein teilweise bestimmender Teil des Landschaftsbildes. Wenn ab Dezember die Blütezeit beginnt kann ich mir das in diesem Garten wunderschön vorstellen.

Das weiß blühende war ein mir unbekannter Kreuzblütler und was im Hintergrund wie Bambus aussieht ist eine Weidenart.

Dieses Gebäude soll dasFrühstückshaus des ehemaligen Besitzers gewesen sein.

Ein Wald aus mannshohen Kakteen.

Verschiedenste Kakteen wuchsen in diesem Bereich.

Spätestens hier war ich von diesem Garten komplett hingerissen. Eine Kombination aus orangem Wandelröschen dazwischen das zarte Grün des Nickenden Sauerklees und dem Weiß des Kreuzblütlers. Hier haben der Gärtner und die Natur miteinander ein perfektes Gartenbild gestaltet. Wie langweilig wäre dieser Gartenteil wenn nur das Wandelröschen alleine vor sich hinblühen würde ohne dem Beikraut?

Der Eingang zu einer großen gemauerten Labyrinthanlage.

Und hier kam ein weiterer Höhepunkt des Gartens. Über die gesamte Länge des Gebäudes war ein Lavendel- und Rosmarinfeld gepflanzt. Riesige Büsche die teilweise fast mannshoch waren.

Als wir in diesem Teil des Gartens waren, hat es leider bereits ganz leicht zu regnen begonnen. Aber wie mag es hier im Frühjahr duften wenn alles in Blüte ist und das ganze in Sonnenlicht getaucht ist. Und in der sommerlichen Hitze die ätherischen Öle über den ganzen Bereich flimmern, die Insekten und Schmetterlinge schweben? Da wird diese Anlage dann tatsächlich zum Märchenschloß.

An diesem Lavendel- und Rosmarinfeld habe ich beschlossen zu einem Frühling irgendwann noch einmal zurück zu kehren. Ob sich das erfüllen wird?

Am anderen Ende des Gartens war das Ganze mehr an die Landschaft draussen angelehnt.

Und wenn nicht plötzlich ein Starkregen eingesetzt hätte wäre noch so viel mehr zu entdecken gewesen. Diese Erfahrung machte ich auf Sizilien, wenn es im November regnet dann aber richtig.

Dieser Garten hat mich sehr beeindruckt, gerade sein morbider Charme. Ein zwar geplanter Garten aber wahrscheinlich wegen Kostengründen nicht perfekt gepflegt. Aber gerade diese Kombination machte in zu etwas ganz besonderem.

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