Heimisches Waldgras als Ersatz für japanische Gräser?

Vor einigen Jahren war ich in China in der Region Shanghai auf Gartenreise. Dort durfte ich nicht nur die traditionelle Gartenkunst kennenlernen die äußerst beeindruckend ist, sondern auch die moderne, minimalistische Gestaltung großer Bereiche die mich sehr fasziniert haben.

Das interessante in China war, dass diese Gräser nicht nur in den Parks zu sehen waren. Sondern auch wenn wir übers Land gefahren sind, sah man vor allem Strassenränder in Waldgebieten, die von niedrigem, überhängendem Gras gesäumt waren.

Diese „Gräserbilder“ sind mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen. So gerne ich wildes Durcheinander mag, liebe ich aber auch äußerst stille, minimalistische Bereiche. Beides versuche ich in meinem Garten auch zu kombinieren. Am Haus gestalterisch eher ruhige Bereiche und dann je weiter davon entfernt gehen die Pflanzenbilder „wild“ in die Natur über.

Zu Hause angekommen, dachte ich darüber nach wie ich mir ein kleines Garteneck mit einem ähnlichen Gras gestalten könnte. Dabei stieß ich sehr schnell auf das  Japan-Bandgras (Hakonechloa macra), ein Gras das ca. 40 – 60 cm hoch wird, wunderschönen überhängenden Wuchs hat, gerne im Gehölz, Gehölzrand, Freiflächen oder auch in Steinanlagen, für absonnige oder halbschattige Standorte empfohlen wird. Winterhärtezone Z 7 (-17,7 bis -12,3°C), frischer, durchlässiger Boden wird gewünscht.

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Japan-Bandgras, Hakonechloa macra

Leider entwickelt sich dieses Gras bei mir überhaupt nicht, obwohl ich keine schlechten Voraussetzungen dafür hätte. Das Japan-Bandgras auf dem Foto sind die kläglichen Reste die mittlerweile von anderen Pflanzen geschluckt werden. Anscheinend ist es zu kalt im Winter, so dass sie sich jedes Jahr aufs Neue nur ein paar Stengel erkämpft.

Dann suchte ich weiter um ein unkompliziertes Gras. Und fand die Teppich-Japan-Segge (Carex morrowii ssp. foliosissima ´Icedance´) panaschiert mit weiß-gelblichen Randstreifen. 30 – 40 cm  hoch, Winterhärtezone  Z 5 (- 28,8 bis 23,4°C). Optimal für flächige Pflanzung da ausläuferbildend, gut winterhart, schattenverträglich und sogar wintergrün. Bevorzugt humusreichen, lockeren Boden. Sie entwickelt einen dichten Bestand, die sogar den Giersch verdrängen soll?

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Teppich-Japan-Segge (Carex morrowii ssp. `Icedance`)

Wie man auf dem Foto sieht, ist das eine Neubepflanzung und die muss noch erst zu einem Teppich wachsen. Es wächst und gedeiht recht gut in meinem Garten aber ich bin nicht so ganz mit dem Erscheinungsbild zufrieden das ich mir gewünscht hätte. Sie wächst eher stackelig und es fehlt ihr der elegante Überhang.

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Heimisches Waldgras

Wer meinen Blog verfolgt, weiß dass ich gerne „wilde Pflanzen“ auf ihre Gartentauglichkeit teste. Wenn so ein „Unkraut“ daher kommt und mir zwar nicht in die Situation passt aber das Erscheinungsbild gefällt, dann lass ich es mal wachsen und beobachte das Plänzchen. Und so ist es mir mit einem heimischen Waldgras ergangen, dessen Namen ich leider noch nicht bestimmen konnte.

Ich kann dieses Gras immer wieder auf Plätzen finden, wo der Garten in die „wilde Natur“ übergeht. Und so hab ich mal ein paar stehen lassen und gepflegt. Jetzt im dritten Jahr zeigt es sich von einer solchen Schönheit, dass ich ganz begeistert bin. Wächst im Schatten, überhängender Wuchs, butterweiche Blätter und ergibt ein Bild das perfekt meinen Vorstellungen entspricht.

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Waldstimmung mit Gras, Rodgersia und Farn

Auf alle Fälle werde ich jetzt dieses Gras nicht mehr raus reissen sondern wie eine besondere Pflanze behandeln. Jetzt muss ich nur noch sehen, wie das Erscheinungsbild über den Sommer, Herbst und Winter sich zeigt. Auch wie es sich über die Jahre entwickelt, ob es ausdauernd ist oder schnell wieder vergeht.

Da hol ich mir Pflanzen in den Garten, plag mich mit ihnen und verliere Jahre weil ich erst sehen muss ob sie für meine Vorstellungen überhaupt passen und dabei wächst seit eh und je ein heimisches Gras im Garten, dass nur entdeckt werden musste.

Was hab ich schon Pläne für dieses Gras. Entlang eines Weges, so wie ich es in China gesehen hab. Oder mir würde es auch rund um einen Baumstamm gepflanzt gefallen und, und ….

Nachtrag im März 2017:

Endlich konnte ich das Waldgras bestimmen das wild in meinem Garten wächst. Es geht nichts über gute Gartenbücher auch wenn sie schon etwas älter sind. Und zwar im Buch von Alfred Fessler – „Der Staudengarten“ finde ich die Beschreibung dieses Grases mit dem Namen Waldzwenke – Brachypodium sylvaticum. 

Ein ausdauerndes in frischen und feuchten Laubmisch- und Buchenwäldern Europas beheimatetes kalkliebendes Gras. Verträgt starken Wurzeldruck der Gehölze und ist ein Lehmzeiger. Es wird beschrieben daß es dichte Horste bildet und kaum Ausläufer bildet.

Von Juni bis Oktober blüht es mit grünen Ährchen die etwa die doppelte Höhe der Blätter erreicht ( 30-60/ 60-120 cm).

Im Winter wird das Gras braun und weil es so ein weiches Blatt hat, liegt es dann am Boden auf. Und hat aus diesem Grund keinen Winter zierenden Wert.

Ich bin nach wie vor sehr von diesem Gras begeistert, es ist wunderschön in Einzelstellung aber gerade in der Fläche zeigt es sich von seiner besonderen Seite. Und ich werde versuchen mir diese „Gräserbilder“ die ich von China mitgenommen habe in meinem Garten nach zu zeichnen!

Dieses heimische Gras (Waldzwenke – Brachypodium sylvaticum) haben gut sortierte Staudengärtnereien in ihrem Programm.

 

 

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10 Gedanken zu “Heimisches Waldgras als Ersatz für japanische Gräser?

  1. deine grünen variationen faszinieren mich..zumal bei mir in der schweren marscherde alles gerne wuchert, ich habe zur zeit eher flächen in grün mit brennesseln, buchsbaum, beinwell..und brombeere.. und und..aber eine gute idee da mehr abwechslung in die gehölzränder einzubauen

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Wolfgang,
      ja das stimmt, wenn es optimale Bedingungen hat, vermehrt es sich rasch. Bei der Größe meines Gartens bin ich immer froh wenn ich so wüchsige Pflanzen finde 😉
      Schön, dass du auf meinem Blog warst, so habe ich euren entdeckt. Ihr habt einen wunderschönen Garten. Ich werd öfters mal vorbeischauen!
      Liebe Grüße Arlene

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  2. Hallo Arlene,
    ein für mich (und sicher auch andere) sehr interessanter Beitrag! Das Waldgras sieht super aus und ich bin schon gespannt auf Deine weiteren Erfahrungen damit. Dass es gerne wuchert, muss ja nicht immer dagegen sprechen.
    Viele Grüße von Renate

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Renate,
      vielen Dank!
      Das Wuchern ist tatsächlich kein großes Problem weil es sich in Grenzen hält und sich im Gegensatz zu manchen „Gartengräsern“ sehr leicht entfernen lässt.
      Ich hab dieses Gras nun etwas genauer beobachtet und leider hat es auch nicht so gute Eigenschaften. Bis zum Hochsommer bleibt es sehr stabil. Wenn es dann langsam zu blühen anfängt fällt es etwas auseinander. Auch wenn starke Regengüsse waren braucht es danach wieder bis es sich aufrichtet. Im Herbst ist es ziemlich lückig.
      Ich bin aber trotzdem nach wie vor davon begeistert weil es bereits Anfang der Saison seine volle Pracht zeigt und deswegen ein guter Gegenpol zu den meist „späteren“ Gartengräsern ist. Und die können ja dann das Gartenbild übernehmen.
      Liebe Grüße Arlene

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      1. Vielen Dank für die Info Arlene!
        Es dürfte demnach Luzula sein – oder? Carex ist ja meist stabiler.
        Bei mir ist aber leider grad das normalerweise robuste Carex etwas mickrig (Hakonechloa gedeiht dafür gut) – so hat doch jeder Garten seine speziellen Eigenheiten.

        Viele Grüße von Renate

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      2. Ja das ist interessant mit den Pflanzen, daß manchmal die nicht gedeihen wollen von denen man meint das müßte optimal passen und andere entwickeln sich gut obwohl der Platz dafür nicht günstig scheint. Aber das macht es eben spannend im Garten.
        Ich tendiere auch zu Luzula, nur welche? Da muß ich meinen Schmeil-Fitschen mal genauer inspizieren. Eine Herausforderung für das neue Jahr!
        Liebe Grüße Arlene

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