Die geheimnisvolle Schuppenwurz

Als ich vor vielen Jahren das erste mal eine Schuppenwurz sah, dachte ich, es sei eine Orchidee aber beim genaueren Hinsehen wurde mir klar, das ist etwas ganz Anderes. Das Fehlen von Blattgrün zeigt sofort auf eine andere Lebensweise hin. Von der Farbe äußerst unscheinbar, eher ein schmutziges Blassrosa. Oft recht gut getarnt, wie auf dem Foto, in dem braunen, trockenen Buchenlaub leicht zu übersehen. Vereinzelt in ganz Deutschland vor allem Osten, Süden und Mitte hat man die größeren Chancen sie zu entdecken. In Auwälder und feuchten Wäldern auf basen- und nährstoffreichen Böden siedelt sie sich am liebsten an. Sie gehört zur Familie der Sommerwurzgewächse, früher wurde sie zu den Rachenblütler gezählt.

Was die Pflanze so besonders macht ist ihre Lebensweise. Sie ist ein chlorophyllfreier Vollschmarotzer (Chlorophyll ist Blattgrün das für die typisch grüne Farbe der Pflanzen sorgt und für die Photosynthese benötigt wird). Normalerweise bezieht eine Pflanze ihren Kraftstoff aus der Photosynthese. Dagegen hat sich die Schuppenwurz eine eigene Strategie erarbeitet, sie zapft die Wurzeln von Gehölzen an und holt sich dort ihre Energie.

Vor allem die Hasel, Erlen aber auch Pappeln, Weiden und Buchen sind ihre bevorzugten Wirte. Die Pflanze bildet viele kleine Samen, die näher als 1cm an einer Wirtswurzel gelangen müssen um überhaupt auskeimen zu können. Unterirdisch bildet die Schuppenwurz ein Rhizom, an denen sich kleine Saugorgane bilden und mit deren Hilfe dann die Wasserleitungsbahnen der Wirtspflanze angezapft werden.

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Die weißlichen Schuppen im Boden, die der Pflanze den Namen geben

Wenn der Hauptsaftstrom der Wirtsgehölze im Frühjahr ansteigt wird auch die Schuppenwurz mit den nötigen Närstoffen versorgt. Dann beginnt die Blütezeit von März bis Mai aber erst nach langer Jugendzeit von ca. 10 Jahren zeigt die Pflanze das erste mal ihre Blüte. Bestäubt wird die Blüte vor allem von Hummeln oder aber auch vom Wind. Die Samen wiederum werden durch Ameisen, Wind und Wasser verbreitet.

Unterirdisch bildet sie einen bis zu 5kg schweren bis zu 2m reich verzweigten Pflanzkörper aus und ist dann bereits über viele Jahrzehnte alt. Daher auch der Name griechisch lathraios = verborgen. Es gibt auch Jahre da zeigt sich uns die Blüte gar nicht sondern blüht unterirdisch.

Unglaublich welche Lebensweisen die Pflanzen unserem Auge verborgen leben und wir können so viel entdecken wenn wir offen durch die Natur gehen.

„Pflanzen sind faszinierende Lebewesen: Je länger man sie kennt, desto interessanter werden sie“. So beginnt die Einführung dieses Buches. Seit Jahren ist es mir ein treuer Begleiter wenn ich von den Pflanzen mehr als nur den Namen erfahren möchte. Sehr empfehlenswert.

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2 Gedanken zu “Die geheimnisvolle Schuppenwurz

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